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Verdacht = Fall wird noch untersucht W = Wasserhose

Datum Ort Stärke Beschreibung
29.07.1900 Aschaffenburg
Bayern
F1-F2 In der Nacht zum 29. Juli zog ein Tornado vor allem durch den Schlossgarten, in dem sehr viele Bäume umgerissen wurden. Mehr dazu in der Aschaffenburger Chronik.
25.07.1900 Bruchhausen
Nordrhein-Westfalen
n.bek. "Im Jahr 1900 trat am 25/07 in dem Ort Bruchhausen bei Unkel (Region Bonn) ein Tornado auf. Dieser hatte mehrere Eichen- und Buchenstämme geknickt und "in Stücke gerissen". Mehrere Arbeiter auf nahegelegenen Feldern beobachteten während eines Gewitters eine "weiße Wolkensäule"." Quelle: Lars Lowinski, Feedback bei TorDACH.

15.07.1900
Verdacht
Niederlausitz
Brandenburg
n.bek. Nach einer Meldung der Lausitzer Rundschau vom 17.07.2000 soll eine Windhose aufgetreten sein: "Vor 100 Jahren: 15. Juli 1900. Dramatisch beschrieb der "Niederlausitzer Anzeiger" die Begegnung eines Radfahrers mit einer Windhose: "die sich etwa 30 Meter von ihm /erhob, ... [...]"" Wegen der damals herrschenden Hochdrucklage ist nicht sicher, ob es sich tatsächlich um eine Windhose (= Tornado) oder lediglich um einen Staubteufel bei sonnigem Wetter handelte.

27.06.1900 Kiel
Schleswig-Holstein
n.bek. Nichts Näheres bekannt (Quelle: A. Wegener, Wind- und Wasserhosen in Europa, 1917)

23.06.1900 Köln-Mülheim
Nordrhein-Westfalen
n.bek. Aus einer Meldung der Freiburger Zeitung vom 26.06.1900: "Sturm. Müllheim am Rhein wurde Samstag von einem furchtbaren Wirbelsturm heimgesucht, ähnlich dem, der vor zwei Jahren Bayenthal und Umgegend verheerte. Bäume wurden entwurzelt, Dächer abgedeckt, Schornsteine umgeworfen, viele Fabrikanlagen schwer beschädigt. Besonders haben auch die Troponwerke gelitten. Sehr viele Einwohner sind obdachlos." (Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg)

16.06.1900 Chemnitz
Sachsen
F2 "Am 16. Juni 1900 entwurzelte eine Windhose in Chemnitz-Borna Eichen und verwüstete den umliegenden Waldbestand. Eine dicke Fichte wurde 20 Meter durch die Luft geschleudert." (Quelle: Claudia Hinz, Windhosen im Erzgebirge).

03.06.1900 Arzthofen
Bayern
n.bek. "1900, 3. Juni. Ein Naturschauspiel in Art einer Windhose stellte sich heute im nahen Weiler Arzthofen ein. Es war gegen halb zwei Uhr nachmittag, als sich bei Tauernfeld ein starker Windstrich bemerkbar machte, der in der Richtung gegen Arzthofen herankam, begleitet von dichten finsteren Staubwolken und einem solchen Gerassel, dass man meinen sollte, es käme eine ganze Reihe Fuhrwerke in größter Geschwindigkeit auf der Landstraße angefahren. In Arzthofen selbst wurden starke Äste von den Bäumen gebrochen und von zwei an der Straße gelegenen Häusern die Dächer auf je einer Seite vollständig abgedeckt. Ein starkes Brett, das die Windhose mit sich riss, wurde bis Lengenbach geworfen." (Quelle: Gemeinde Deining)

Aus dem Archiv geplaudert (Gemeinde Deining)

19.06.1899
Verdacht
Alsfeld
Hessen
n.bek. Trombe in der Nähe von Alsfeld bei Ostgewitter nicht zweifelsfrei nachgewiesen (Quelle: Gudd, Martin; Gewitter und Gewitterschäden im südlichen hessischen Berg- und Beckenland und im Rhein-Main-Tiefland 1881 bis 1980)

Gewitter und Gewitterschäden im südlichen hessischen Berg- und Beckenland und im Rhein-Main-Tiefland 1881 bis 1980 (Uni Mainz)

24.08.1898 östlich Bahlingen
Baden-Württemberg
n.bek. Aus einer Meldung der Freiburger Zeitung vom 27.08.1898: "Eichstetten, 25. August. Eine besonders merkwürdige und interessante Naturerscheinung wurde gestern in Bahlingen vor Ausbruch des Gewitters beobachtet. Oestlich und nordöstlich von Bahlingen war nämlich je eine dicht schwarze Säule vom Boden bis an die Wolken sichtbar, ähnlich eines großen Fabrikschornsteins; plötzlich erschien es, als ob aus dem obersten Theile dieser Säule weißgrauer Rauch entstiege und gleichzeitig löste sich die Säule vom Boden aus langsamer nach der Höhe zu auf, bis nichts mehr sichtbar war. Diese Erscheinung konnte länger wie eine Viertelstunde beobachtet werden." (Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg)

24.08.1898 nordöstlich Bahlingen
Baden-Württemberg
n.bek. Aus einer Meldung der Freiburger Zeitung vom 27.08.1898: "Eichstetten, 25. August. Eine besonders merkwürdige und interessante Naturerscheinung wurde gestern in Bahlingen vor Ausbruch des Gewitters beobachtet. Oestlich und nordöstlich von Bahlingen war nämlich je eine dicht schwarze Säule vom Boden bis an die Wolken sichtbar, ähnlich eines großen Fabrikschornsteins; plötzlich erschien es, als ob aus dem obersten Theile dieser Säule weißgrauer Rauch entstiege und gleichzeitig löste sich die Säule vom Boden aus langsamer nach der Höhe zu auf, bis nichts mehr sichtbar war. Diese Erscheinung konnte länger wie eine Viertelstunde beobachtet werden." (Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg)

23.08.1898 Holzminden
Niedersachsen
n.bek. Es wird berichtet, dass der Helm des Stadtkirchenturms zu Boden gerissen wurde und dass einige Linden umstürzten (Quelle u.a.: F. Hamm, Naturkundliche Chronik Nordwestdeutschland, 1976) - Dazu aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 25.08.1898: "Holzminden, 24. August. Ein Wirbelwind wehte gestern Nachmittag den 60 Meter hohen Thurm der hiesigen evangelischen Stadtkirche um, deckte zahlreiche Dächer ab, warf mehrere Schornsteine um und richte auch noch anderweit bedeutende Verwüstungen an." - Weiter aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 26.08.1898: "Holzminden, 23. August. Dem furchbaren Unwetter, das heute Nachmittag über unsere Stadt niederging, ist, wie schon kurz gemeldet, das Wahrzeichen der Stadt, der Thurm der evangelischen Kirche zum Opfer gefallen. Der 64 Meter hohe Thurm wurde 1888 vom Blitze getroffen, brannte damals theilweise ab und wurde 1889 wieder neu gebaut. Der Thurm ist heute in Glockenstuhlhöhe abgeknickt. Das Tosen des Orkans war so gewaltig, daß selbst die Bewohner der Nachbarhäuser den Einsturz erst bemerkten, als sie die Trümmermassen auf der Erde liegen sahen. Glücklicherweise ist niemand verunglückt und auch die Häuser in der Nähe des Thurmes blieben unbeschädigt. Zahllose Bäume sind in der Stadt und Umgegend entwurzelt, Mauern eingestürzt und viele Dächer abgedeckt. Die Bade-Anstalt auf der Weser wurde auseinandergerissen und eine Strecke stromabwärts getrieben, die Badenden retteten sich mit Mühe. Der Hagel fiel nur vereinzelt, doch waren die Eisstücke sehr groß und haben zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Der Schaden ist bedeutend." - Aus einer Meldung der Freiburger Zeitung vom 26.08.1898: "Wirbelsturm. Holzminden, 23. August. Durch einen mit einem heftigen Gewitter verbundenen Wirbelsturm wurde der Thurm der Stadtkirche mitten abgebrochen. Der Sturm hatte viele Dächer abgedeckt, so daß die Stadt ein Bild traurigster Verwüstung bietet. Der Schaden ist sehr bedeutend." (Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg)

Sommerlinde an der Lutherkirche

19.08.1898 Cottbus
Brandenburg
n.bek. Aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 21.08.1898: "Kottbus, 19. August. Ein gewaltiges Unwetter suchte Kottbus und die Umgegend heim; mehrere Personen wurden vom Blitz erschlagen, darunter in Kottbus Frau Buettner und in Hartmannsdorf Gemeindevorsteher Elsner. Zahlreiche Fabriken und Häuser wurden durch niedergehende Blitze und Wirbelwind verwüstet, in den Wäldern großer Holzschaden angerichtet." - Aus einer Meldung der Freiburger Zeitung vom 21.08.1898: "Unwetter - Berlin, 20. August. Ein gewaltiges Unwetter suchte die Niederlausitzer Fabrikstadt Cottbus und deren Umgebung heim. Mehrere Personen wurden vom Blitz erschlagen. An Gebäuden wurde viel Schaden angerichtet." (Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg)

08.08.1898 Herzhausen, Ittertal
Hessen
n.bek. Aus der Wettergeschichte Hessen: "Am 8.August 1898 gegen Nachmittag richtete eine Windhose große Verwüstung an. Dieselbe begann oberhalb der Ederbrücke und zog das Ittertal entlang bis zur Wollspinnerei, überall die stärksten Bäume umwerfend oder die Kronen abbrechend. Die ganze Verwüstung nahm kaum die Zeit von fünf Minuten in Anspruch." (aus der Schulchronik Herzhausen)

07.08.1898 Recklinghausen, Arnsberg, Hirschberg, Belecke
Nordrhein-Westfalen
F3 Aus einer Meldung der Freiburger Zeitung vom 13.08.1898: "Eine Windhose zerstörte einen Theil des westfälischen Kreises Arnsberg auf viele Stunden Länge. Während eines schweren Gewitters zeigte sich eine lichthelle Wolke, die blitzschnell hin und herflog und überall wo sie hinkam, große Verheerungen anrichtete. Auf ihrem Wege sind fast sämmtliche Dächer abgedeckt und verschiedene Gebäude zusammengestürzt. Viele tausend Bäume sind entwurzelt, gewaltige Eichen liegen geknickt und zersplittert am Boden. Ein Schäfer rettete sich dadurch, daß er sich flach auf den Boden legte, ein Theil der Schafe wirbelte in der Luft. An der Eisengießerei Christianenhütte wurden die massiven Wände eingedrückt und das ganze Gebäude zerstört, während die benachbarte größere Schreibmaschinenfabrik und Papierfabrik ganz unbeschädigt blieb. An einem großen langen Bauernhof, der die aneinanderstoßenden Behausungen von zwei Besitzern unter einem Dach enthielt, wurde das Haus des einen Bauern fast vollständig zerstört, das Haus des Nachbarn nur ganz unbedeutend beschädigt. Der Gesamtschaden ist bedeutend, und viele der meist mit wenigen Glücksgütern gesegneten Bewohner dieses Theils des Sauerlandes trifft dieser Schaden sehr schwer." (Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg) - Aus dem "Bensberg-Gladbacher Anzeiger" vom 13. August 1898: "Aus dem Oberbergischen, 10. Aug. Das Unwetter, welches am Sonntag Köln und Umgegend so schwer heimgesucht hat, ist in hiesiger Gegend im allgemeinen noch günstig verlaufen. Nur stellenweise, wie in Derschlag, Bergneustadt, Marienhagen, Bomig und Umgegend, hat der Hagelschlag großen Schaden angerichtet." - Weitere Meldung aus dem "Bensberg-Gladbacher Anzeiger" vom 13. August 1898: "Aus Westfalen, 9. Aug. Das Unwetter vom Sonntag hat hier große Schäden angerichtet. In Ostenfelde äscherte der Blitz ein Bauerngehöft ein, in Ahlen traf der elektrische Strahl den Turm der Pfarrkirche und riß ein großes Loch in das Mauerwerk. In Hirschberg wurden vom Sturm drei Häuser umgeweht, wobei 3 Personen schwere Verletzungen davontrugen. In Belecke wurde ein Rind auf der Weide erschlagen und mehrere Kühe von stürzenden Bäumen getroffen, so daß sie geschlachtet werden mußten. Der durch den Sturm im Belecker und Warsteiner Wald angerichtete Schaden beziffert sich auf 40 bis 50 000 M." (Quelle: Universitäts- und Landesbibliothek Bonn) - Eine Verbindung zum Fall Köln - Wipperfürth ist möglich, aber bisher nicht nachgewiesen.

Tornado im Kreis Arnsberg 1898

07.08.1898 Köln, Wipperfürth
Nordrhein-Westfalen
(1 Toter)
F4 Die Schneise zog sich durch die heutigen Kölner Stadtteile Raderthal, Raderberg, Arnoldshöhe, Bayenthal und Poll. Ein Mensch kam bei dem Tornado ums Leben, es gab erhebliche Zerstörungen, darunter z.B. die Gasanstalt der Kölner Maschinenfabrik in Bayenthal. Von Köln aus zog der Tornado weiter nach Osten bis Nordosten, mindestens etwa bis in den Raum Wipperfürth (ca. 40 km). Eine Verbindung zum Fall Arnsberg ist möglich, aber bisher noch nicht nachgewiesen.

Bericht und Fotos der Schäden
Zeitungsausschnitte von damals (unten auf der Seite)

29.07.1898 Bodensee
Baden-Württemberg
W (2x) Um 17:30 Uhr Wasserhose auf dem Bodensee vor Langenargen: "1898, den 29. Juli vor 5 1/2 p. ereignete sich eine solche vor Langenargen. Schon um lh p. entlud sich Gewitterregen über Bregenz. Um 4h 35m p. zogen dicke, graue, tiefe Wolken langsam aus WSW über den mittleren Teil des Sees. Vor 5 1/2 P stand das Gewitter über dem anhaltenden Dampfer vor Langenargen und man hatte eine etwa 15 Meter dicke Wasserhose vor sich, welche 5-6 Meter hoch Staub aus dem See aufwirbelte und eine Drehung mit dem Uhrzeiger erkennen liess. Um 5h 37 p. erlosch sie nach langsamer östlicher Bewegung am Strand bei Schloss Montfort ohne Begleiterscheinung. Bedauerlicherweise hatte Niemand das Entstehen wahrgenommen. "Ein entsprechender Wolkenzapfen, der aus den tiefgrauen Gewitterwolken nach unten ragte, konnte nicht beobachtet werden, dagegen fanden sich solche an andern Stellen, von Wolkenwülsten ringförmig umgeben, die deutlich die wirbeiförmige Bewegung um den Zapfen erkennen liessen, aber augenscheinlich von bedeutend grösserem Durchmesser waren, wie die Wasserhose. Einer derselben südlich vom Schiff wurde längere Zeit beobachtet, weil man glaubte, dass auch dort eine Wasserhose auftreten könnte, da die Wolken, wie bemerkt, nur in relativ geringer Höhe über dem See hingen; wir glaubten jedoch nur bemerken zu können, dass darunter die Oberfläche des Sees etwas mehr vom Wind gepeitscht wurde, so dass Wasserstaub aufflog" (Dr. Greim in Globus, Band 74, Nr. 8, 1898, S. 132)." (Quelle: Früh, J., 1907: Wasserhosen auf Schweizer Seen. Jahresberichte der Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft in Zürich. Band: 7 (1906-1907), Seiten 105-127. Link: http://dx.doi.org/10.5169/seals-8902 - Weitere Quelle: A. Wegener: Wind- und Wasserhosen in Europa, 1917).

22.05.1898 Waldau
Hessen
n.bek. gegen 10 Uhr vormittags in Waldau, heute Wahlen, Ortsteil von Grasellenbach im Landkreis Bergstraße (Quelle: A. Wegener: Wind- und Wasserhosen in Europa, 1917)
03.05.1898 Ziegelheim
Thüringen
F2 "Am 3.Mai wirft eine von Gösdorf kommende Windhose die Scheune im Mehlhornschen Gut um. Die Windhose kommt erst am Pfarrwald zum Stillstand." Quelle: Geschichtskalender Ziegelheim.

16.07.1897 Mörfelden
Hessen
n.bek. Aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 18.07.1897: "Marfelden (Hessen), 17. Juli. Gestern Nachmittag ging über die hiesige Feldmark eine heftige Windhose nieder und richtete an Feldern und Bäumen großen Schaden an. Personen wurden nicht verletzt."

27.05.1897 München
Bayern
F0 ca. 17:45 Uhr (Quelle: A. Wegener: Wind- und Wasserhosen in Europa, 1917)

18./19.03.1897
Verdacht
Grub am Forst
Bayern
n.bek. Aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 20.03.1897: "Grub a.F., 19. März. Gewitter. Gestern Nacht wüthete ein Gewitter derartig, daß von vielen Häusern die Ziegeln vom Winde abgerissen und auf die Straße geworfen wurden. Manche Ziegeln wurden sehr weit von den Gebäuden fortgeschleudert. An manchen Stellen hob der Wind sogar Gartenzäune auf und trug sie einige Meter davon. Der Regen ergoß sich in Strömen und verursachte dadurch großen Schaden, daß er durch die bloßgelegten Dächer in die untergebrachten Vorräthe drang."

18.03.1897 Fürth am Berg
Bayern
n.bek. Aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 21.03.1897: "Aus dem Steinachgrund, 19. März. Gestern Abend gegen 8 Uhr zogen mehrere schwere Gewitter über unsere Gegend, die von orkanartigen Stürmen begleitet waren und an Dächern, Schornsteinen und Waldungen vielfach Schaden anrichteten. Ein Wirbelsturm hat in Fürth am Berg die große Bretterhalle des Mühlenbesitzers August Mauer total niedergerissen und in einen Trümmerhaufen verwandelt. Ein Blitzstrahl traf das Wohnhaus desselben und zerschmetterte eine Reihe Dachziegel, sowie mehrere Scheiben eines Fensters, ohne glücklicherweise größeren Schaden anzurichten."

18.03.1897
Verdacht
Wiesenfeld b. Coburg
Bayern
n.bek. Aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 20.03.1897: "Wiesenfeld, 19. März. Sturm. Der gestrige Sturm (Abends 7 1/2 Uhr) hat den größten Theil aller Dächer auf der Südseite des Dorfes stark beschädigt und manche fast ganz abgedeckt. Er hat ein schweres Scheunenthor abgerissen, eine Scheune verschoben und eine, die durchaus nicht baufällig war, mit anstoßendem Bienenhaus umgeworfen, desgl. eine Holzhalle. Ein einstöckiges Haus ist derartig geschüttelt worden, daß der Kalk der Stubendecke an einigen Stellen abgefallen ist. Die wenigen Obstbäume, die die hiesigen Gärten aufweisen konnten, sind an der Krone abgebrochen. Die Straße und die Höfe sind mit Ziegel- und Kalkstücken besät. Menschen sind glücklicherweise nicht verletzt worden."

18.03.1897
Verdacht
Ummerstadt
Thüringen
n.bek. Aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 24.03.1897: "Ummerstadt, 22. März. Furchtbaren Schaden hat der Sturmwind vorige Woche in der hiesigen Waldung angerichtet. Er kam von SW. und fing sich in einem Querthal, dem sog. Teufelsloch - nomen est omen -. Da er hier keinen Ausweg hatte, verwandelte er sich in einen Wirbel und riß alles, was ihm im Wege stand, nieder. - 500 Stämme oder mehr - man kann es vorläufig noch nicht übersehen, dabei solche mit einem Durchmesser von 35-40 cm und einer Länge von 25 m liegen theils entwurzelt, theils stehen sie zu 5 und mehr sich aneinander stützend da. Der Anblick ist ein grausig schöner und würde das Schlachtfeld einem Photographen erwünschten Stoff bieten. Die Hauptbeschädigten sind: Holzbauer Dressel und Bürgermeister Leipold."

18.03.1897 Bad Camberg, Kirberg
Hessen
(1 Toter)
F3 Zeitpunkt: etwa 17 bis 17:30 Uhr MEZ. "Am 18. März 1897 herrschte ein schöner milder Frühlingstag im Hintertaunus und Limburger Becken, bis ein Gewitter von Westen aufzog und ein F3-Tornado in den Orten Kirberg und vor allem Camberg schwere Schäden hinterließ mit einem Todesopfer - ein Bahnarbeiter suchte fatalerweise im Camberger Bahnhof Schutz hinter einem Güterwaggon, welcher auf ihn stürzte." Auszug aus 1897 - eine kleine Reanalyse von Bernold Feuerstein. Der starke Tornado hinterließ eine ca. 40 Kilometer lange und bis zu 350 Meter breite Schneise. "Der Sturm nahm seinen Ausgang westlich von Kirberg und zog bis in die Bad Homburger Gegend, wo sich am Rand der Wetterau schließlich seine Gewalt verlor." (Quelle: Bernold Feuerstein, "Tornados im heimischen Raum"). Möglich ist auch, dass der Tornado bereits bei Koblenz entstand, auch ein weiterer Tornado ist hier möglich.

Verheerende Windhose über Camberg (Historie des Kreises)
Fotos der Schäden (Stadtarchiv Bad Camberg)

18.03.1897 Stelzen
Thüringen
n.bek. "Am 18. März 1897 war der schicksalsschwere Tag des altehrwürdigen Stelzenbaumes angebrochen. Es war abends in der neunten Stunde, als in Stelzen und Umgebung ein furchtbares Unwetter tobte. Blitze durchzuckten die Luft. von gewaltigem Donner begleitet. Dabei erhob sich ein Wirbelsturm, der den Dächern. Hütten, Zäunen und Bäumen übel mitspielte. Diesem Unwetter fiel auch der Alte zum Opfer. Am nächsten Morgen stand nur noch der Stamm da, die Krone lag am Boden. Der Stamm war noch vier Meter hoch und hatte einen Durchmesser von l.50 m." (Quelle: Der Schatz unterm Stelzenbaum).

Windhose "köpft" den Stelzenbaum (Wetterchronik)

18.03.1897 Gelsenkirchen-Schalke
Nordrhein-Westfalen
(3 Tote, 4 Verletzte)
n.bek. Aus einer Meldung der Freiburger Zeitung vom 21.03.1897: "Unglücksfälle. Gelsenkirchen, 18. März. Ein Wirbelwind hat große Verheerungen angerichtet. Die "Frankf. Ztg." Berichtet: In Schalke's Spiegelmanufaktur ist die Schleifhalle eingestürzt. Ein Arbeiter ist todt, vier sind verletzt. Zwei Kinder in dem einstürzenden Hause wurden tödtlich verletzt. Viele Häuser, Ziegeleien und Fabriken wurden beschädigt. Der Schaden ist groß." (Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg). - Aus einer Meldung der Emscherzeitung vom 19.03.1897: "[...] In Braubauerschaft tobte das Unwetter so stark, daß die [...] Schleifhalle der Spiegelmanufaktur, nachdem das Dach emporgehoben und eine Strecke weit fortgetragen, einstürzte, wobei ein Arbeiter getötet und mehrere andere erheblich verletzt wurden. Die Gasfabrik und das Gebäude des [...] Schulz an der Bahnhofstraße wurden ebenfalls schwer beschädigt. [...]" (Quelle: Stadtarchiv Gelsenkirchen, Institut für Stadtgeschichte, Gelsenkirchen) - Dieser zweite Tornado zog über Teile des heutigen Gelsenkirchener Stadtteils Schalke hinweg.

Tornados in Gelsenkirchen

18.03.1897 Gelsenkirchen
Nordrhein-Westfalen
n.bek. Aus einer Meldung der Emscherzeitung vom 19.03.1897: "Das erste diesjährige Gewitter begleitet von einer verheerenden Windhose zog gestern Nachmittag über unsere Stadt hinweg und richtete, wie uns von verschiedenen Stellen berichtet wird, großen Schaden an. Viele Dächer in der [...] (Anm.: Nicht lesbar), Bochumer- und Weidenstraße, sowie das Dach des Keilmannschen Saales wurde erheblich beschädigt und zum Teil gänzlich zerstört. Welch ungeheure Kraft die Windhose hatte, geht daraus hervor, daß zwei im Garten des Restaurant Beutner aufgestellte Veranden emporgehoben und das Dach der einen über mehrere Häuser hinweggetragen wurde, wobei es natürlich an Beschädigungen der betr. Dächer nicht fehlte. Auch aus den Nachbarorten Schwarzbach, Ueckendorf und Rotthausen werden arge Verwüstungen gemeldet. [...] Die Gasfabrik und das Gebäude des [...] Schulz an der Bahnhofstraße wurden ebenfalls schwer beschädigt. An der Bächerei des Herrn R. wurde der Schornstein umgeworfen und in die Backstube gestürzt, dort alles zertrümmernd. Mit diesen Unfallmeldungen dürfte bei weitem das Maß noch nicht erschöpft sein, vielmehr dürften die nächsten Tage noch weitere Meldungen bringen." (Quelle: Stadtarchiv Gelsenkirchen, Institut für Stadtgeschichte, Gelsenkirchen) - Der Tornado zog durch Schwarzbach, Rotthausen und Ueckendorf und betraf damit auch das Areal um das heutige Institut für Stadtgeschichte, dem Gelsenkirchener Stadtarchiv.

Tornados in Gelsenkirchen

18.03.1897
Verdacht
Solingen
Nordrhein-Westfalen
n.bek. Aus einer Meldung der Emscherzeitung vom 20.03.1897: "Solingen, 19. März. Ein schweres Gewitter mit orkanartigem Sturm richtete gestern Nachmittag schwere Verheerungen an. In Pilzhausen wurde ein 10jähriges Mädchen inmitten seiner Kameradinnen vom Blitz erschlagen, ein anderes teilweise gelähmt. Am Stöckerberg stürzten infolge der Stürme ein Neubau und auf der Krähenhöhe zwei Gebäude ein." (Quelle: Stadtarchiv Gelsenkirchen, Institut für Stadtgeschichte, Gelsenkirchen)

18.03.1897
Verdacht
Bonn
Nordrhein-Westfalen
(1 Toter, 13 Verletzte)
n.bek. Aus einer Meldung der Freiburger Zeitung vom 21.03.1897: "Unglücksfälle. [...] Bonn, 18. März. Durch einen heftigen Sturm wurde ein Schlot der Wessel'schen Porzellanfabrik in Poppelsdorf umgeworfen. Das Kamin durchschlug das Dach der Blaumalerei und verschüttete die Maler. Einer ist todt, 3 sind schwer und 10 leicht verletzt." (Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg)

18.03.1897
Verdacht
Odenkirchen
Nordrhein-Westfalen
(1 Toter, Verletzte)
n.bek. Aus einer Meldung der Emscherzeitung vom 20.03.1897: "M.-Gladbach, 19. März. [Unwetter.] In Odenkirchen stürzte bei dem getrigen Sturm der Schornstein der Göbel'schen Gerberei um und erschlug einen Arbeiter. Mehrere andere Arbeiter wurden schwer verletzt. Der Getötete ist Vater von 5 Kindern." (Quelle: Stadtarchiv Gelsenkirchen, Institut für Stadtgeschichte, Gelsenkirchen)

10.07.1896 Coburg
Bayern
n.bek. Aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 12.07.1896: "Aus dem Itzgrund, 11. Juli. Sturmwind. Vor dem gestrigen Gewitter erhob sich auf hiesiger Flur ein heftiger Wirbelwind. Das noch auf den Wiesen liegende Heu wurde nach allen Richtungen hin zerstreut. Viele Obstbäume sind stark beschädigt worden."

10.07.1896
Verdacht
Lübeck
Schleswig-Holstein
n.bek. Aus einer Meldung der Freiburger Zeitung vom 14.07.1896: "Orkan. Lübeck, 11. Juli. Ein gestern mit einem Orkan niedergegangenes Gewitter hat im Fürstenthum Lübeck großen Schaden angerichtet. Nach den heute vorliegenden Meldungen sind gegen 40 Scheunen und Häuser theils abgedeckt, theils umgeweht. Viele Gebäude wurden durch Blitzschläge eingeäschert. In den Wäldern ist bedeutender Schaden durch Windbruch entstanden." (Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg)

26.06.1896 Laibach
Baden-Württemberg
(1 Verletzte)
n.bek. gegen 10:45 vormittags, 1 Verletzte: "In St. Peter wurde eine Frau von der Windhose erfaßt und in ein Gestrüpp geschleudert, wo sie unsanft gebettet und zerschunden liegen blieb." - "Wir hatten es offenbar mit einer Reihe von Windhosen zu tun, welche mitten in einer rahigen Luftschichte sich bildeten, 50 bis 100 m Durchmesser hatten und in Distanzen von 180 bis 200 m aufstiegen." (Quelle: A. Wegener: Wind- und Wasserhosen in Europa, 1917)

16.08.1895 Dagebüll
Schleswig-Holstein
n.bek. Datum unsicher, um 7 Uhr morgens an der Westküste Schleswig-Holsteins (Quelle: A. Wegener: Wind- und Wasserhosen in Europa, 1917)

15.08.1895 Baden-Baden
Baden-Württemberg
n.bek. Genaues Datum nicht bekannt. Aus einer Meldung des Teltower Kreisblattes vom 23. August 1895: "Fräulein Paulus, eine Luftschifferin aus Frankfurt a. M., und der Luftschiffer Schuhmann aus Krefeld sind vor einigen Tagen bei einem Aufstieg in Baden-Baden von einem Wirbelsturm erfaßt worden und bei der Landung an einem Baume im Walde hängengeblieben. Drei Stunden mußten die Luftschiffer in der Lage verharren; nur einem vorübergehenden Kurgast hatten dieselben es zu verdanken, daß sie aus ihrer mißlichen Lage befreit wurden." (Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin)

19.07.1895
Verdacht
Schönefeld
Brandenburg
n.bek. Aus einer Meldung des Teltower Kreisblattes vom 28. Juli 1895: "Zu dem Einsturz des Thurmhelms der St. Matthias-Kirche ging der "Baugewerks-Ztg." folgende Mittheilung zu: Der durch den Sturm vom 19. d. M. umgestürzte Helmbau hatte eine Höhe von etwa 37 Meter, das massive Mauerwerk darunter eine solche von 57 Meter. Zur Fertigstellung der obersten Thurmspitze und Aufbringung der Bekrönungszeichen war ein Gerüst um den Helm konstruiert, das seinen Halt nur in diesem fand. Das Gerüst bot dem Sturme nicht genügend Widerstand, kippte um und riß den Thurmhelm selbst mit in die Tiefe, weil das Holzwerk mit dem darunter befindlichen Thurmmauerwerk nicht verankert war. Nach Ansicht des Berichterstatters hätte der aufgesetzte Helmbau mindestens in jeder Ecke mit dem quadratischen massiven Unterbau durch starke tief nach unten greifende eiserne Anker verbunden sein müssen. Im übrigen macht das Mauerwerk bezüglich seiner Ausführung einen durchaus soliden Eindruck, so daß die Annahme, der Unfall finde nur in den elementaren Einwirkungen seine Ursache, ihre Begründung hat. - Demselben Blatt schreibt ein im Kirchenbau erfahrener Meister: "Die Konstruktion des Helmes war gut. Der Umsturz ist lediglich dem Umstande zuzuschreiben, daß das für Befestigung des Thurmkreuzes an die obere Spitze des Helmes angebrachte Gerüst den eigenartig mächtig, stoßweise aufgetretenen Sturm (Einige behaupten, es sei ein Wirbelsturm gewesen) zu viel Angriffsgelegenheit geboten hat. Höhere Gewalt hat gewaltet! Das ist alles, was man zu dem Fall sagen kann. Die Aeußerungen, "der Helm sei mit dem Mauerwerk nicht durch Anker verbunden gewesen," beruhen auf Unkenntnis derartiger Konstruktionen. Thurmhelme sollen nie in dem Mauerwerk der Thürme verankert werden. Das ist eine Grundregel für den Thurmhelmbau." (Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin)

01.07.1895 Calw
Baden-Württemberg
F2 "In der Inselgasse der Stadt Calw wütete am 1. Juli 1895 der Wirbelsturm, den Hesse in der Erzählung "Der Zyklon" beschreibt." - "Am 1. Juli 1895 nachm. zwischen 2 1/2 und 3 1/2 Uhr fanden verschiedene Gewitter im Nagoldgebiet statt, bei denen auch ein sich von Wildberg bis Calw hinziehender Sturm entstand, dessen Schadenfeld nirgends über 50 m breit war. Die Tannen waren alle parallel niedergelegt. Der Sturm hat sich nicht in die Täler herabgesenkt, die er überquerte, dort blieben die Bäume unversehrt. Hier handelt es sich wohl um einen Wirbel mit horizontaler Achse und geringer horizontaler Breite." (Quelle: Professor Dr. Pilgrim (1914): "Über Wirbelstürme und die damit zusammenhängenden Vorgänge in der Atmosphäre im allgemeinen und über die vom 1. und 4. Juni 1913 in Plochingen und Mühlen-Eutingen im besonderen", Deutsches Meteorologisches Jahrbuch für 1913, Württemberg) - Weiter aus einer Meldung des Intelligenzblattes für die Stadt Bern vom 03.07.1895: "Calw (Württemberg), 1. Juli. Gestern Abends richteten hier ein fünf Minuten dauernder Wirbelsturm und ein starker Hagelschlag, wobei hühnereigroße Schlossen fielen, außerordentlich schweren Schaden an. Der Sturm deckte die Dächer ab, drückte Giebelwände ein und zerschlug eine Unzahl von Scheiben. Ganze Waldstrecken sind zerstört. Der Feldschaden ist sehr beträchtlich. Personen wurden nicht verletzt." (Quelle: Universitätsbibliothek Bern) - Weiter aus einer Meldung der Freiburger Zeitung vom 04.07.1895: "[...(siehe Intelligenzblattes für die Stadt Bern)] Unmittelbar vor dem Orkan hatten zahlreiche Schulkinder die Badeanstalt verlassen. Dieselbe wurde vom Wirbelsturm völlig zertrümmert. Zahlreiche Feldarbeiter kehrten wundenbedeckt heim." (Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg) - Hermann Hesse beschreibt das Sturmereignis und die Folgen in seiner Erzählung "Der Zyklon". - Aus einer Meldung des Teltower Kreisblattes vom 03. Juli 1895: "Calw (Württember), 2. Juli. Gestern Abend tobte hier ein etwa 5 Minuten anhaltender Wirbelsturm, der von stärkstem Hagelschlag mit hühnereigroßen Schlossen begleitet war. Der Sturm richtete außerordentlich großen Schaden an; er deckte Dächer ab, drückte Giebelwände von Gebäuden ein und zerschlug zahlreiche Scheiben. Ganze Waldstrecken wurden zerstört dadurch, daß die Bäume entweder entwurzelt oder abgeknickt wurden. Auch der entstandene Feldschaden ist sehr beträchtlich. Verluste an Menschenleben sind nicht beklagen. Unmittelbar vor Ausbruch des Orkans hatten zahlreiche Schulkinder die Badeanstalt verlassen. Dieselbe wurde durch den Wirbelsturm völlig zertrümmert. Zahlreiche Feldarbeiter kehrten mit Wunden bedeckt heim." (Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin)

Windhose in Calw (Wetterchronik)

01.07.1895 Kassel-Wilhelmshöhe
Hessen
n.bek. Der Tornado trat nachts gegen 02:30 Uhr auf, Näheres ist nicht bekannt (Quelle: Aus dem Schwarzwald 3(2), Seiten 18-21 und 3(4), Seite 52. 1895)

31.03.1895 Böhne
Brandenburg
n.bek. Gegen 14 Uhr in Böhne in der Altmark (Quelle: A. Wegener: Wind- und Wasserhosen in Europa, 1917)

1893/1894 Thiessow (Rügen)
Mecklenburg-Vorpommern
W (2-3x) Nach einer Mitteilung von Herrn v. Berlepsch sind 1893 oder 1894 bei Thiessow 2 oder gar 3 Wasserhosen gleichzeitig aufgetreten: "Bei schlechtem Wetter unternahmen wir ... eine Fahrt nach der Greifswalder Oie, Auf der Rückfahrt, die ziemlich stürmisch verlief, sahen wir, etwa in der Mitte zwischen der Oie und dem Göhrener Nordperd, also auf der Höhe von Thiessow, nach meiner Erinnerung nicht nur eine, sondern 2 oder sogar 3 Wasserhosen, und zwar in nicht erheblicher Entfernung vom Boot. Ich kann mich an diese Erscheinung, die mir einen unauslöschlichen Eindruck machte, genau erinnern. Aus den tiefhängenden Wolken senkte sich ein Schlauch herab, fast senkrecht stehend, aber mit leichter Krümmung, während von unten ein starker Wasserwirbel in die Höhe stieg." (Quelle: Harald Koschmieder: "Über Tromben". Wissenschaftliche Abhandlungen, Band VI, Berlin 1940)

02.09.1894 Göttingen, Albeck
Baden-Württemberg
n.bek. "1894 am 2. September nachmittags 4 Uhr ist in Göttingen, OA Ulm eine Windhose beobachtet worden, nachdem mittags sich mehrere Gewitter von verschiedenen Seiten im Donautal zusammengezogen hatten. Im NW erschien ein dunkler Gewitterwolkenstreifen, aus dem sich eine nebelgraue Säule zur Erde herabsenkte, die unter starkem Brausen die Dächer abdeckend einherzog. Leute aus Albeck wollen in dieser wirbelnden Säule einen schwarzen Fleck, so groß wie ein Bierfäßchen, entdeckt und erkannt haben, wie darin Vögel vom Wirbel eingeschlossen gewesen seien. Die Windhose traf ferner auf vier große Strohhäufen und wirbelte das Stroh in die Höhe, sie brach drei starke Bäume und schüttete über den nördlichen Teil von Göttingen einen wahren Regen von Stroh, Frucht, Öhmd und Baumzweigen. In einem Hause wurde das Fenster in die Stube auf den Tisch geworfen. Die Windhose wandte sich sodann nach Süden und zog durch das Sulzbachtal auf die Ebene, erschien aber nicht mehr gerade, sondern schlangenförmig gewunden, der obere Teil dem unteren voraus, auf dem Boden alles aufwirbelnd; dann wandte sich die Windhose wieder nach SO und zerriß endlich." (Quelle: Professor Dr. Pilgrim (1914): "Über Wirbelstürme und die damit zusammenhängenden Vorgänge in der Atmosphäre im allgemeinen und über die vom 1. und 4. Juni 1913 in Plochingen und Mühlen-Eutingen im besonderen", Deutsches Meteorologisches Jahrbuch für 1913, Württemberg; weitere Quelle: Waltraud Düwel-Hößelbarth, Chronik der Hohenheimer Meteorologischen Beobachtungen der Jahre 1878 - 1977. Stuttgart. Mai 1982)

14.07.1894 Schwaben
Bayern
n.bek. Genaues Datum nicht bekannt. Aus einer Meldung des Teltower Kreisblattes vom 22. Juli 1894: "Nach amtlicher Feststellung sind bei dem Wirbelsturm-Unglück in Schaben drei Personen schwer und fünf leicht verletzt worden." (Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin)

14.07.1894 Forstinning, Forstern-Tading, Isen
Bayern
(2 Tote, Verl.)
F4 Am Nordrand des Ebersberger Forstes östlich von München zerstörte dieser Tornado zahlreiche Häuser, es gab 2 Tote und weitere Verletzte. Dazu aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 17.07.1894: "München, 16. Juli. Mehrere Ortschaften Oberbayerns wurden am Sonnabend von einer cyclonartigen Windhose heimgesucht; 200 Anwesen wurden zerstört. 100 Pioniere sind zur Hülfeleistung hingesandt." Weiter aus einer Meldung des Intelligenzblattes für die Stadt Bern vom 16.07.1894: "Furchtbare Katastrophe in Bayern. München, 16. ds. Eine furchtbare Katastrophe fand am Sonnabend nachmittag an der württembergischen Grenze infolge einer großartigen Windhose statt. Ueber 200 Bauernhöfe sind zerstört, 12 Dörfer total vernichtet. Der Prinzregent wies sofort 30,000 Mark für die Geschädigten an. 100 Pioniere sind an die Unglücksstätte zur Hülfeleistung abgegangen." (Quelle: Universitätsbibliothek Bern)

Berichte zum Tornado in Bayern
Windhose am 14. Juli 1894 Original-Holzstich nach E. Kaiser (antiqpaper.de)

14.05.1894 Schönefeld
Brandenburg
n.bek. Aus einer Meldung des Teltower Kreisblattes vom 22. Mai 1894: "Ueber die Windhose, welche am zweiten Feiertage von Waßmannsdorf aus in der Richtung von Schönfeld beobachtet wurde, ging in den letzten Tagen ein mit allerlei Details ausgeschmückter Bericht durch die Presse, der nicht nur zu erzählen wußte, daß die Windhose auf dem Müggelsee eine Wasserhose angezogen habe, sondern auch, daß von ihr Dächer abgedeckt und eine Menge Bäume ausgerissen worden seien. Wenn auch nicht in Abrede gestellt werden kann, daß in früheren Beschreibungen von Wind- und Wasserhosen derartiges und noch Schlimmeres über die verwüstenden Wirkungen solcher engbegrenzter Wirbelstürme zu lesen ist, so versichern, wie auf Grund genauer Erkundigungen gesagt werden darf, die Augenzeugen des hier in Rede stehenden Phänomens dennoch, daß diese Schilderungen im vorliegenden Falle nur dann zutreffen, wenn man seiner Phantasie keine Schranken auferlegte. In Wirklichkeit habe die Pfingstwindhose trotz ihrer meilenweit sichtbaren Erscheinung sich nur in der Schönfelder Gegend dadurch unangenehm bemerkbar gemacht, daß sie einige Getreidefelder aufgewühlt habe. Im Uebrigen zeigt sich bei dieser Gelegenheit wieder einmal die ungemeine Schwierigkeit, selbst über die scheinbar unbestreitbarsten Dinge absolut zuverlässige Berichte zu erlangen." (Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin)

26.07.1893 Borkum
Niedersachsen
n.bek. Vom Südstrand der Insel aus wurde eine Wasserhose beobachtet (Quelle: W. Stöwer, 1893. Holzstich, nach F. Rade)

28.06.1893 Nebra
Sachsen-Anhalt
n.bek. Aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 04.07.1893: "Nebra, 28. Juni. Gewittersturm. Bei dem heutigen Gewitter war der Sturm so gewaltig, daße eine große Menge Bäume umgebrochen, Fensterscheiben eingedrückt und viele Dächer stark beschädigt wurden. Den größten Schaden hat Herr Maurermeister Reinecke dadurch erlitten, daß ein ihm gehöriger großer Holzschuppen vom Sturm völlig zerrissen und das Dach mehrere Häuser weit fortgetragen worden ist. Die benachbarten Dächer wurden durch diesen ungewöhnlichen Transport ebenfalls arg mitgenommen. Zwei in dem Schuppen beschäftige Arbeiter erlitten leichte Verletzungen."

09.08.1892 Paderborn n.bek. "Durch einen Wirbelsturm aufgeschlürftes Wasser mit Teichmuscheln geht im Paderbornchen als "Muschelregen" nieder" (Quelle: F. Hamm, Naturkundliche Chronik Nordwestdeutschland, 1976)

31.08.1891 Reichstädt
Sachsen
n.bek. "1891: Getreidegarben flogen davon - "Reichstädt. Bei dem ziemlich heftigen Gewitter am Montag Nachmittag, das sich unter Begleitung von ganz kolossalen Regengüssen entlud, zog über die Gegend in der Nähe der Hofmühle eine Windhose, die mehrere starke Bäume umknickte; eine Partie Getreidegarben wurde in die Luft entführt und sind auch mehrere so weit entführt worden, daß sie noch nicht wieder gefunden wurden." (Quelle: Weißeritz-Zeitung“ vom 31.08.1819; Hofmühle ist eine frühere Bezeichnung der so genannten "Ehrlich-Mühle" im Niederdorf. Horst Schulz)" (Quelle des Auszuges: Professor Dr. Adolf Heger)

Reichstädter Nachrichten, Februar 2004 (Professor Dr. Adolf Heger)

04.08.1891 Holte
Niedersachsen
n.bek. Gegen 13:30 Uhr im Dorf Holte, 3 Kilometer von Stotel entfernt, in der Nähe von Bremerhaven (Quelle: A. Wegener, Wind- und Wasserhosen in Europa, 1917)
21.07.1891 München
Bayern
n.bek. Um 11:22 bis 11:26 Windhose, Tornadoschlauch zwischen Gewitterwolken gesichtet (Quelle: A. Wegener, Wind- und Wasserhosen in Europa, 1917)

21.07.1891 Heidenheim
Baden-Württemberg
n.bek. gegen 13 Uhr MEZ. (Quelle: A. Wegener: Wind- und Wasserhosen in Europa, 1917)

20.07.1891 Bendeleben
Sachsen-Anhalt
n.bek. Um 12:10 Uhr in Bendeleben am Kyffhäusergebirge zwischen Bad Frankenhausen und Sondershausen (Quelle: A. Wegener, Wind- und Wasserhosen in Europa, 1917)
01.07.1891 Lind, Dülken, Süchteln, Anrath, Krefeld
Nordrhein-Westfalen
(3 Tote, >100 Verletzte)
F4 Am 1. Juli, einem heißen Sommertage, gegen 6 Uhr am Abend, zog ein Tornado, der sich in der Nähe Boisheims gebildet hatte, über Dülken, Süchteln, Anrath bis nach Krefeld. In Anrath gab es mehrere Tote, insgesamt 151 Häuser stürzten ein oder mussten wegen der schweren Schäden abgerissen werden. Danach beantragte die Gemeinde Anrath ihre Selbstauflösung. In Süchteln wurden 124 Häuser zerstört. Auch in Krefeld gab es erhebliche Schäden.

Einige Links zum verheerenden Tornado:
Berichte zum Tornado von Lind 1891
Hagelunwetter und Windhose: Ausführlicher Bericht
Der Tornado von Süchteln und Anrath (Lars Lowinski)
Der Wirbelsturm von 1891 (Bürgerverein Anrath e.V.)
Am Nachmittag des 1. Juli 1891 (Pfarrgemeinde St. Peter Boisheim, 10.09.1995)
Wegekapelle Lind (Baudenkmäler Viersen)

01.07.1891 Herzebrock
Nordrhein-Westfalen
F2 Zeitpunkt: gegen 18 Uhr MEZ im Kreis Gütersloh. Starker Hagel und ein Tornado richteten schwere Verwüstungen an (Gebäude, Wald und Feld). Nach einem Bericht der Zeitung "Die Glocke" vom 2. Juli 1891 wurden auf einer Breite von 600 Metern Dächer ganz oder teilweise abgedeckt. Zahlreiche Obstbäume brachen ab oder wurden aus der Erde gerissen. Der Schonstein einer Ziegelei brach in der Mitte durch.

01.07.1891 Beeskow, Müllrose
Brandenburg
n.bek. Innerhalb einer 12 km langen, von Südwest nach Nordost verlaufenden Schneise gab es erhebliche Ernteschäden. (Quelle: Meteorologische Zeitschrift, 1891)

01.07.1891 Hameln
Niedersachsen
n.bek. Nach Recherchen von Dietwald Fuchs trat gegen 20:00 Uhr ein weiterer Tornado auf.

01.07.1891 Hameln
Niedersachsen
n.bek. Nach Recherchen von Dietwald Fuchs trat gegen 19:55 Uhr ein Tornado auf.

27.06.1891
Verdacht
Augsburg
Bayern
(1 Toter, 1 Verletzter)
n.bek. Aus einer Meldung der Freiburger Zeitung vom 01.07.1891: "Augsburg, 27. Juni. (Gewitterorkan.) Um 7 Uhr Abends tobte hier ein Gewitterorkan. Ein stürzender Baum tödtete dabei einen Bankier Namens Wolf aus Frankfurt am Main und zerschmetterte dem Schwiegersohne des hiesigen Fabrikanten Landauer das Bein." (Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg)

22.05.1891
Verdacht
Wannsee
Berlin
n.bek. Aus einer Meldung der Berliner Gerichts-Zeitung vom 26.05.1891 zu Gewitterstürmen in und um Berlin: "Auch aus Wannsee schreibt man, daß die Gewitter in einem wahren Cyklon endigten, der den kleinen See in ein wütendes Meer verwandelte, so daß die Wellen sich hoch auftürmten." (Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin, Stiftung Preussischer Kulturbesitz)

Anmerkung:
Diese Liste erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird ständig erweitert. Sollte ein Ihnen bekannter Tornado fehlen, dann mailen Sie mir bitte.


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